Monitoring weather and climate from space

Pressemitteilungen

17. Dezember 2008

Jason-2-Produkte für alle Nutzer Verfügbar

Der Meeresbeobachtungssatellit Jason-2 hat die regelmäßige Versorgung der Nutzergemeinschaft mit Operationellen Geophysikalischen Datenprodukten (OGDR) in Nahezu-Echtzeit aufgenommen.

"Damit hat die ozeanographische Mission von Jason-2 begonnen", sagt Dr. Lars Prahm, Director-General von EUMETSAT.

Ab sofort sind Jason-2-Produkte verfügbar und werden in Nahezu-Echtzeit (ca. drei Stunden) an die Nutzer aus der operationellen Meteorologie abgegeben. Der Zugang zu den Daten wird für Klimazwecke im späteren Verlauf des Jahres 2009 offline möglich sein.

Im Rahmen des OSTM-Programms zur Erforschung der Topographie von Meeresoberflächen (Ocean Surface Topography Mission) wird Jason-2 drei globale Datenprodukte erzeugen und den Nutzern zur Verfügung stellen: Das Operationelle Geophysikalische Datenprodukt (OGDR) wird in Nahezu-Echtzeit (drei Stunden) verbreitet, während das Interims Geophysikalische Datenprodukt (IGDR) sowie das Geophysikalische Datenprodukt (GDR) offline, d.h. einige Tage bzw. einige Wochen später, zur Verfügung stehen. Diese Produkte erfassen alle dieselben zentralen Ozeanparameter und verwenden ein einheitliches Grundformat. Der Unterschied zwischen ihnen besteht in den zusätzlich eingebundenen Hilfsdaten und dem Grad der Genauigkeit, der über die Zeit weiter zunimmt.

Im Rahmen des OSTM-Programms wird Jason-2 maßgeblich zur Überwachung des Klimawandels und zur Beobachtung von Meereszirkulation und Wetter beitragen. Jason-2 sichert die dringend erforderliche Datenkontinuität, die unabdingbar ist für die Messungen zur Entwicklung des Meeresspiegels, einem der Hauptindikatoren für den Klimawandel. Gleichermaßen wichtig ist Jason-2 für die Meteorologie und Ozeanographie hinsichtlich der Erstellung von Langzeit- und Jahreszeitenvorhersagen.

Bei EUMETSAT werden operationelle Daten weiterverarbeitet, und zwar die in der Bodenstation Usingen/Deutschland eingehenden Daten. Ebenso erfolgt auch hier eine Weiterleitung der verarbeiteten Daten an die Nutzer sowie die Archivierung und der Vertrieb von operationellen Produkten. Verbreitet werden die Daten und Produkte in Nahezu-Echtzeit über das EUMETCast-Datenverteilsystem für Umweltdaten von EUMETSAT und über das neue EUMETSAT-Webportal. Gesteuert wird Usingen per Fernzugriff durch das Kontrollzentrum der NOAA in Suitland.

Seit Übergabe des Satelliten durch das französische Raumfahrtforschungszentrum Centre National d'Etudes Spatiales (CNES) im Oktober liegt der Routinebetrieb von Jason-2 in der Verantwortung der US-amerikanischen Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Von dort wird auch die Verarbeitung der eingehenden operationellen Daten in den Bodenstationen und die Übergabe an die Nutzer gesteuert. Ebenso ist die NOAA für die Archivierung und den Vertrieb aller wissenschaftlichen Produkte zuständig.

 
CNES übernimmt die Verarbeitung, Validierung und Verteilung von Offline-Datensätzen sowie die Funktion einer Schnittstelle zu den Nutzern. Hinzu kommt die Evaluierung der Daten des Poseidon-3-Altimeters sowie des Höhen- und Bahnbestimmungssystems DORIS (Doppler Orbitography and Radiopositionning Integrated by Satellite). Auch das CNES archiviert alle wissenschaftlichen Produkte und verteilt sie weiter. Das CNES bleibt weiterhin das Expertenzentrum für alle Nicht-Routine-Operationen und wird auch in Zukunft für Orbitbestimmungen zuständig sein. In Zusammenarbeit mit dem Hersteller des Satelliten, der Firma Thales Alenia Space, obliegt ihm die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Satelliten. Das Eingreifen durch das CNES ist dann erforderlich, wenn der Satellit in den "Safehold-Modus" geht, d.h. wenn der Satellit wegen Unregelmäßigleiten bei einem seiner Bauteile 'außer Betrieb gesetzt' wird.

Die Bewertung der Leistung des GPS-Systems an Bord von Jason-2 sowie der Laser- und Radiometrieinstrumente obliegt der US-amerikanischen Weltraumbehörde National Aeronautics and Space Administration (NASA) ebenso wie die Validierung der wissenschaftlichen Offline-Produkte.

Jason-2 ist ein gemeinsames Produkt und wird entsprechend gemeinsam genutzt: in Europa von CNES und EUMETSAT und in den USA sowohl von der NASA als auch der NOAA. Damit ist Jason-2 ein hervorragendes Beispiel eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts (ähnlich dem NASA/CNES-Poseidon-Projekt und dem experimentellen Jason-1-Meeresbeobachtungssatelliten) mit Übergang in den Vollbetrieb.

"Die über 20-Jahre währende gemeinsame Entwicklung einer effizienten Technik zur Messung des Meeresspiegels aus dem All durch die NASA und das CNES ist ein riesiger Erfolg für beide Organisationen und die internationale Gemeinschaft der Wissenschaftler", sagt Lee-Lueng Fu, OSTM/Jason-2-Projektwissenschaftler beim Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena, Kalifornien. "Mit der erfolgreichen Überleitung dieses bedeutenden Projekts an unsere Partner NOAA und EUMETSAT wurde für die Langzeitüberwachung dieses lebenswichtigen Barometers durch den Menschen ein neues Zeitalter eingeläutet."

"Der Meeresspiegel steigt um 3,2 mm pro Jahr, das ist fast doppelt so viel wie in den 100 Jahren davor," sagt Laury Miller, Leiter des Laboratory for Satellite Altimetry der NOAA. "Wenn dies in den kommenden Jahrzehnten so bleibt, wird dies immense Folgen für die Küstenregionen haben, etwa Erosion und Überflutungen. Wir benötigen die Daten von Jason-2 um beobachten zu können, was genau passiert."

Jason-2 und sein experimenteller Vorgänger Jason-1, die seit Juli im Abstand von etwa 55 Sekunden in Formation hintereinander her flogen um Parallelmessungen zu erhalten, anhand derer die Wissenschaftler die Instrumente von Jason-2 genauesten kalibrieren konnten, werden Anfang 2009 auseinander manövriert werden. Beide Datenströme werden danach für die verbleibende Lebensdauer von Jason-1, der eigentlich schon zwei Jahre über sein geplantes Alter hinaus ist, operationell assimiliert.

Über EUMETSAT

Die europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Darmstadt, Deutschland, mit derzeit 22 europäischen Mitgliedsstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Türkei, Ungarn und das Vereinigte Königreich) und 8 Kooperationsstaaten (Bulgarien, Estland, Island, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und Tschechische Republik).

EUMETSAT betreibt gegenwärtig die geostationären Satelliten Meteosat-8 und –9 über Europa und Afrika sowie Meteosat-6 und -7 über dem Indischen Ozean.

Metop-A, Europas erster polarumlaufender Wettersatellit, wurde im Oktober 2006 gestartet und liefert seit dem 15. Mai 2007 operationelle Daten.

Der Meeresbeobachtungssatellit Jason-2, der am 20. Juni 2008 an der Start ging, erweitert die bisherige Palette von EUMETSAT um Daten zur Topographie der Meeresoberflächen.

Die Daten und Produkte von den Satelliten von EUMETSAT leisten einen bedeutenden Beitrag für die Wettervorhersage und für die Überwachung des globalen Klimas.

 

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