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Solidarität und Kompetenz siegen über Erdbeben und Pandemie

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Akkurate Wettervorhersagen sind von größter Wichtigkeit für die Sicherheit der Gesellschaft, insbesondere in Krisenzeiten.

Last Updated

03 November 2020

Published on

07 April 2020

Als durch das Erdbeben vom 22. März in Zagreb die meteorologische Wetterservice-Infrastruktur Kroatiens in höchstem Ausmaß beschädigt wurde und sich der Großteil Europas wegen der Corona-Epidemie in einem Zustand des Lock-Downs befand, waren Kreativität und Kompetenz gefordert.

Satellitendaten und Wettervorhersage

Aus Satellitenbeobachtungen gewonnene Daten sind unabdingbar für Computermodelle zur Vorhersage des Wetters. EUMETSAT liefert eine maßgebliche Menge dieser Daten an seine 30 Mitgliedsstaaten, darunter Kroatien.

Fast die gesamte Belegschaft von EUMETSAT arbeitet zurzeit im Home-Office, ausgenommen sind nur jene Mitarbeiter, die für die Kontrolle der sich in der Erdumlaufbahn befindenden 10 Satelliten der Organisation verantwortlich sind.

Auch in Zeiten wie diesen ist es extrem wichtig, dass die Satelliten normal funktionieren, und deren Daten empfangen, verarbeitet und an die meteorologischen Dienste innerhalb Europas und darüber hinaus verteilt werden können.

Kroatiens Hilferuf

Am 22. März erschütterte ein Erdbeben mit einer Stärke von 5.3 auf der Richterskala die Region nördlich von Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Es war das stärkste Erdbeben in diesem Land seit 140 Jahren.

Der kroatische meteorologische Dienst (Croatian Meteorological and Hydrological Service DHMZ) hat seinen Hauptsitz in Zagreb. Die Gebäude wurden so stark beschädigt, dass den Mitarbeitern der Zutritt verwehrt werden musste.

“Kroatien bat uns um Hilfe, informierte uns, dass ihr Datenzentrum durch das Erdbeben beschädigt wurde und bat um Unterstützung in dieser Notlage, bis zur Inbetriebnahme ihrer Disaster-Recovery-Site” sagte EUMETAT Data Services Competence Area Manager Lothar Wolf.

Die Europäische Wetter-Cloud

EUMETSAT und das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, ECMWF) in Reading, UK, arbeiten an einer gemeinsamen Big Data Service Infrastruktur, um Nutzern die Daten beider Organisationen zur Verfügung stellen zu können.

In einer Zeit, in der Computermodelle immer größere Mengen von Informationen verarbeiten können, würde Nutzern meteorologischer Daten, darunter nationale Wetterdienste, mithilfe dieser gemeinsamen Europäischen Wetter-Cloud der Zugang zu EUMETSAT und ECMWF Daten und Produkten wesentlich vereinfacht. Zusätzlich bereitet sich EUMETSAT derzeit auf den Einsatz seiner Satellitensysteme der nächsten Generation vor, die eine exponentiell höhere Datenmenge liefern werden.

Die gemeinsame Europäische Wetter-Cloud befindet sich derzeit noch in der Testphase und konnte bislang noch nicht zur Unterstützung der Wetterdienste der Mitgliedsstatten genutzt werden.

Hilfe in einer Zeit des Lock-Downs

Mithilfe von WhatsApp Gruppen und Skype arbeitete eine kleine Kerngruppe von EUMETSAT Mitarbeitern daran, den benötigten Service an das DHMZ zu liefern.

“Wir fragten nach ihren Anforderungen, welche einen virtuellen EDV-Bereich beinhalteten – eine Anzahl virtueller Maschinen –,EUMETSAT-Daten, Training und allgemeine Unterstützung, wie auch den Zugang zu Vorhersage- und archivierten Daten des ECMWF,” sagte Wolf.

“Eine Arbeitsgruppe bei EUMETSAT besprach die Anforderungen und legte fest, wer sich um welchen Bereich kümmern sollte. Dann arbeitete jeder von ihnen mittels Fernzugang an der zugeteilten Aufgabe.

EUMETSAT hat eine Notfall-Datensicherung zur Verfügung gestellt, für den Zeitpunkt der Umschaltung von der beschädigten Infrastruktur ihres Hauptsitzes auf die Disaster-Recovery-Site.“

In nur vier Stunden hatte die Arbeitsgruppe die nötigen Voraussetzungen für das DHMZ geschaffen!

Solidarität

Wolf sagte, alle Team-Mitglieder seien sehr froh gewesen, helfen zu können. ECMWF bot ebenfalls Unterstützung und Zugang zu deren Infrastruktur an.

EUMETSAT Head of Strategy, Communication and International Relations Paul Counet sagte, die Fähigkeit Kroatien in dieser Zeit und unter solchen Bedingungen unterstützen zu können, habe jeden Mitarbeiter der Organisation mit Stolz erfüllt.

“Dies sind extrem schwierige und aufreibende Zeiten für jeden.“ sagte Counet. „Das Erdbeben in Kroatien war ein fürchterlicher Schlag in einer bereits schwierigen Zeit.“

“Die Wichtigkeit unserer Aufgabe, nationale Wetterdienste mit den Daten zu versorgen, die sie benötigen, um die Sicherheit der Gesellschaft gewährleisten zu können, kann nicht überbewertet werden. Daher bin ich besonders froh, dass EUMETSAT den hohen Anforderungen gewachsen war und wir einem unserer Mitgliedsstaaten aus einer schwierigen Lage helfen konnten.“